Wendland.Elbe: Nachhaltiger Tourismus im ländlichen Raum ist mehr als Wandern & Radfahren

Das Wendland? Wo ist das denn? Und was gibt’s da Besonderes? Seit 2016 ist COMPASS bereits mit der Aufgabe betraut, diese Frage zu beantworten und den Erholungs- und Erlebniswert einer einmaligen, ländlichen Region Deutschlands zu entwickeln und zu kommunizieren. Nach 3 Jahren des touristischen Dachmarketings, das mit der strategischen Entwicklung und Positionierung der Destinationsmarke „Wendland.Elbe – natürlich kreativ“ begann, lässt sich als Zwischenbilanz festhalten: das Wendland kommt an, macht neugierig und wer einmal da war, kommt bald wieder.

Was macht die Region denn nun so interessant – aus Sicht des
Gastes aber auch aus Sicht der Tourismusfachleute? Das Wendland ist eine ländliche
Region im Osten von Niedersachsen, angrenzend an Brandenburg, Sachsen-Anhalt
und Mecklenburg-Vorpommern; weit weg von Autobahnen und Großstädten, und doch
lebendig und am Puls der Zeit. Die gesamte Region hat zwar nicht viele, aber
umso individuellere, kreativere und schaffenskräftigere Einwohner. Künstler,
Aussteiger, Querdenker und Weltverbesserer haben sich auf diesem Fleckchen Erde
niedergelassen – unter anderem durch die Anti-Atomproteste rund um Gorleben.

Nachhaltiges Leben und Handeln ist hier kein Trend, sondern
für die meisten eine Grundeinstellung. Vereint mit Kreativität, Idealismus und
Schaffenskraft entsteht das einmalige, wendländische Lebensgefühl, das bei
einem Besuch direkt spürbar ist. Und wer einmal hier war, der bleibt manchmal
auch direkt da – mit einem wachsenden Zuzug aus den Großstädten ist dies
absolut einmalig für den ländlichen Raum Deutschlands.

Das touristische Potenzial des Wendlands ist riesig dank des
Natur- und Kulturangebots sowie den Charakteren, die hier leben, und trifft den
Nerv der wachsenden Zielgruppe „ökologisch Interessierter“ auf der Suche nach Erholung
im eigenen Land. Dies sorgt an einigen Orten bereits für außergewöhnliche
Besucher-Erlebnisse, wie im familiären Biohotel oder beim Besuch der Künstler
in ihren Ateliers. Und auch an weiteren Ideen, wie einem Regionalteller in
jedem Restaurant mit Produkten der lokalen Bio-Betriebe, mangelt es nicht.

Die Voraussetzungen für einen nachhaltigen, regionaltypischen
Tourismus sind perfekt, doch auch im Wendland stoßen wir auf eine
Schwierigkeit, die sich vielerorts zeigt, wenn es um die Vermarktung einer
Region geht: die konkreten, touristischen Erlebnisse und Produkte, die den
regionalen und nachhaltigen Charakter der Destination tragen und ausmachen,
sind eher Leuchttürme im Meer der typischen, ländlichen Tourismusprodukte wie
Radfahren, Wandern, Erholung in der Natur, etc.

Hieraus ergibt sich die Kernfrage: Wie macht man den
regionaltypischen Charakter einer Destination für den Besucher erlebbar, ohne
am Ende doch wieder austauschbare Landurlaub-Produkte zu vermarkten? Die Lösung
ist so individuell wie die Destinationen selbst und das Ergebnis eines
Prozesses, in dem die folgenden Fragestellungen beantwortet werden müssen:

  • Was macht unsere Destination
    besonders/anders/einmalig? Wie können wir uns gegenüber der Konkurrenz
    positionieren?
  • Was sollen die Besucher mitnehmen, woran sollen
    sie sich nach ihrem Aufenthalt erinnern?

Die Default-Tourismusprodukte und -aktivitäten sollen hierfür natürlich nicht abgeschafft werden, aber es ist ein Umdenken notwendig, in dem Radfahren und Wandern nicht mehr als Hauptattraktionen, sondern als Vehikel verstanden und vermarktet werden, um eine Destination kennenzulernen – denn Radfahren und Wandern kann man (fast) überall. Ein Muss also für eine nachhaltige Tourismusentwicklung!

Wir freuen uns, diesen Prozess noch für weitere 2 Jahre zu begleiten und gemeinsam mit den Landkreisen, Touristikern und Unternehmern im Wendland die Region auf die touristische Landkarte des nachhaltigen, ländlichen Deutschlandtourismus zu setzen.